Elternleben zwischen Erwartung und Realität: Warum mein „Game-Plan“ nicht aufging

Elternleben zwischen Erwartung und Realität - warum mein Plan nicht aufging. Titelbild für Blogartikel

Eines haben wir alle gemeinsam. Egal, wie alt oder jung, welche Bildungsschicht oder Hautfarbe: Wir haben alle nicht den Furz einer Ahnung, was auf uns zukommt, bevor wir Eltern werden. Niemand kann uns darauf vorbereiten. Am allerwenigsten beim ersten Mal.

Aber genauso wenig beim zweiten, dritten oder vierten Mal. Denn wenn wir uns entscheiden, ein Kind zu bekommen, dann entscheiden wir uns blind. Ohne zu wissen, wer da zu uns kommt.

Und doch gehen wir alle mit einer gewissen Erwartung an die Sache heran. Das lässt sich nicht vermeiden. Aber ich glaube, der Hauptgrund für die fetten Schwierigkeiten in der Er- und Beziehung ist genau das: wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden. Und vor allem, wenn wir nicht bereit sind, sie aufzugeben, sondern stur an ihnen festhalten wollen.

Vom „Anfängerbaby“ zum Realitäts-Check

Ich habe drei Kinder und jedes ist absolut anders als das andere. Ich würde von mir behaupten, dass ich nie große Erwartungen an meine Kinder hatte. Bis heute nicht. Und doch musste ich bei jedem neu lernen.

  • Die Große war wohl ein typisches Anfängerbaby. Das, was am ehesten der rosaroten Vorstellung vom Leben mit Baby entspricht. Als dann allmählich der eigene Wille dazu kam, wurde die Sache schon deutlich schwieriger.

  • Ihre Schwester hat zwei Jahre später alles auf den Kopf gestellt. Da mussten wir das erste Mal feststellen, dass Erwartungen und Realität absolut nichts miteinander zu tun haben. Sie musste zu Beginn darunter „leiden“, dass wir denselben Weg versucht haben wie beim ersten Kind. Es hat schlichtweg nicht funktioniert.

Aber wir haben uns angepasst. Irgendwann haben wir akzeptiert, dass es so nicht läuft. Dass sie eben nicht alleine einschlafen wird. Also haben wir sie in den Schlaf getragen. Und auf einmal wurde so vieles leichter. Genau in dem Moment, als wir aufhörten, sie in eine Form stecken zu wollen, die nicht zu ihr passte.

Das war wohl das erste Mal, dass wir begannen, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Und zu verstehen: Man kann seine Kinder nicht irgendwohin erziehen. Man kann ihnen die Richtung vorgeben, Werte vermitteln, Vorbild sein – aber ich kann mein Kind nicht zu etwas machen, das es nicht ist.

Ich dachte, ich hätte das Game durchgespielt

Acht Jahre später dachte ich, ich hätte das Game ja jetzt durchgespielt. Ich wüsste, worauf ich mich mit Kind Nummer drei einlasse.

Mein Sohn sah das etwas anders.

Wieder mussten wir lernen. Er hat freilich davon profitiert, dass uns das mittlerweile bewusst war, aber die Brocken blieben trotzdem groß. Ob ich es toll finde, dass ich abends eineinhalb bis zwei Stunden für die Einschlafbegleitung brauche und er niemanden außer mich akzeptiert? Sicher nicht. Ob ich mich schwer damit getan habe zu akzeptieren, dass er nicht nach zwei Wochen problemlos im Kindergarten eingewöhnt war wie seine Schwestern – und bis heute gar nicht erst hingeht?! Ganz sicher.

Das nimmt den Druck

Es war ein Prozess. Aber ich habe gelernt, die positiven Dinge in den Eigenarten meiner Kinder zu sehen. Ihre Stärken zu fördern, ihre Schwächen hinzunehmen und nur die anzugehen, die ihnen vielleicht später mal im Weg stehen könnten. Sie zu bestärken, daran zu arbeiten.

Aber ich habe keine Erwartungen mehr daran, wie sie zu sein oder sich zu verhalten haben.

Ich habe ein tiefes Vertrauen darin, dass sie ihren Weg finden werden. Und dass unser Vorbild, unsere Werte und unsere Verbindung reichen, um aus ihnen starke, selbstbewusste Menschen zu machen. Das nimmt einem selbst enorm viel Druck.

Und bisher wurde ich nicht enttäuscht – und das, obwohl wir mitten im Pubertätschaos stecken. Ich bin wirklich schwer beeindruckt davon, wie meine Töchter beide auf ihre ganz eigene Art und Weise die Dinge meistern und dem Leben entgegentreten. Ob es das Einstehen für eigene Grenzen ist oder der Mut, sich auszuprobieren – und ich bin fest davon überzeugt, dass sie das können, weil sie immer sie selbst sein durften und dürfen. Ohne den Ballast unserer Erwartungen und damit das tiefe Vertrauen, das wir in sie haben, in sich selber spüren können.

Butter bei die Fische – und Poesie in die Box

butterbrotpoesie

Zwischen Brotdosen-Packen und Familienchaos bleibt oft wenig Zeit für einen ruhigen Blick auf das, was wirklich zählt. Deshalb verzichte ich auf Social-Media-Stress und schicke dir lieber direkt eine Nachricht, wenn es Neues zu entdecken gibt. Nur echte Inhalte, die euren Alltag nähren – eben gute Zutaten für dein Familienleben.

Kein Spam, nur Herzenspost! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert