Gewaltfreie Kommunikation: Ein realistischer Blick auf den Familienalltag

Mutter und Kind in einem echten Alltagsmoment – gewaltfreie Kommunikation im Familienalltag ohne Perfektion

Authentisch statt perfekt – mein Blick auf gewaltfreie Kommunikation

Mir ist Authentizität wichtiger als alles andere. Ich kann gar nicht anders, als authentisch zu sein. Das ist manchmal etwas ungünstig, ein klein wenig Anpassung musste ich über die Jahre selbstverständlich lernen, aber im Kern kann ich nicht anders. Wenn sich etwas für mich falsch anfühlt, kann ich es nicht tun. Deswegen ist es für mich auch ganz wichtig bei all den Impulsen und vermeintlichen Tipps hier dennoch authentisch und realistisch zu bleiben, denn auch hier bin ich ehrlich: ich mag keine Erziehungsratgeber. Und ich möchte auch keiner sein. Ich möchte ausschließlich Denkanstöße geben, weil ich beobachtet habe, dass sich die Internetpräsenz von Familien und die Realität stark beißen und herzlich wenig miteinander zutun haben (weswegen ich Social Media als Konsumentin auch gänzlich meide).

Lange Rede kurzer Sinn, ich möchte euch zum Thema gewaltfreie Kommunikation im Alltag eine kleine Anekdote erzählen, die schon viele viele Jahre zurückliegt, aber ich immer wieder gerne erzähle und das, obwohl sie ganz sicher nicht unter gewaltfrei zählt. Ich finde sie schlicht und ergreifend ebenso lustig, wie lehrreich.

Eine ehrliche Anekdote aus dem Familienalltag

„Dumme Frage“ – und was davon hängen bleibt

Ich war damals dabei die Wäsche aufzuhängen. Meine Tochter neigte schon immer, und zu der Zeit im besonderen, dazu Fragen zu stellen, deren Antwort offensichtlich ist. Offensichtlich habe ich damals häufiger (oder zumindest kurz zuvor) die Reaktion „Dumme Frage“ geäußert, denn in dieser speziellen Situation fragte sie mich etwas, woraufhin ich lediglich tief einatmete und ebenso geräuschvoll wieder ausatmete und schwieg. Sie spielte weiter vor sich hin und sagte dann „Dumme Frage“. Und ich bin mir sicher, dass ich ihr damals (etwas schmunzelnd) zugestimmt habe. Eigentlich heißt es ja, es gibt keine dummen Frage, es gibt nur dumme Antworten. Sollte sie mich aber damals gefragt haben, ob ich gerade die Wäsche aufhänge, während sie mir zuschaut, dass ich die Wäsche aufhänge, ich denke dann sind wir uns alle einig (und irgendetwas in der Richtung wird es gewesen sein). Ob man das so äußern muss, wie ich es offensichtlich getan habe, ist selbstverständlich die andere Frage. Wohl eher nicht. Ich nenne dies also nicht vorbildlich, aber menschlich. Diese Situation liegt wie gesagt schon viele viele Jahre zurück, weswegen ich sie auch guten Gewissens teilen kann, denn ich scheue mich nicht zuzugeben, dass ich erst im Laufe meines Elternseins gelernt habe, wie man das so macht. Ich leb gerade zum ersten Mal, wisst ihr.

Kinder spiegeln uns – oft schneller als wir denken

Mir fiel diese Situation jedoch wieder ein, weil ich vor Kurzem mit meinem Sohn spazieren war während er konstant alle halbe Meter stehen blieb und sich auf die Knie fallen ließ. Ein paar Mal schaute ich mir das geduldig an, die nächsten Male war es schon ein etwas genervtes „Och Mucki, nun komm“. Das übernächste Mal schaue ich ihn schon wieder nur noch an, er grinst mich an und sagt in meinem Tonfall „Och Mucki, Mama!“ und ich muss lachen. Recht hat er, genau das hab ich gedacht.

Kommunikation ist mehr als Worte – was Kinder wirklich wahrnehmen

Wir müssen sehr viel weniger sagen, als wir denken, dass wir es müssten. Kommunikation ist mehr als Sprache, obgleich Sprache selbstverständlich ein sehr wichtiger Teil davon ist und wir nicht all zu selten Dinge aussprechen und formulieren, die wir anders gemeint haben, als sie ankommen. Eine andere Wortwahl oder Betonung hätte dieses Problem vielleicht schon verhindert.
Und es nimmt auch nicht gerade den Druck, wenn man sich bei Kindern bewusst macht, dass sie auch, wenn wir schweigen, sehr oft sehr genau erkennen, was in uns vorgeht. Andersherum können wir das jedoch auch so umdrehen, dass es nicht immer große Worte sein müssen, sondern auch kleine Gesten und Blicke reichen können, um auszudrücken, was wir fühlen. Im positiven Sinne. Denn nicht jeder von uns ist ja ein Mensch großer Worte. Und die braucht es auch nicht immer.

Wann Schweigen Teil von gewaltfreier Kommunikation sein kann

Und auch, wenn unsere Kinder unsere Mimiken und Gesten recht gut lesen können bin ich trotzdem der Meinung, dass es manchmal reicht einfach zu schweigen und die Worte herunterzuschlucken, die man denkt. Sicherlich ist die „Dumme Frage“-Anekdote kein Glanzmoment meiner Erziehung und dennoch habe ich in dieser Situation geschwiegen. Meine früheren Worte haben zwar nachgehallt, aber ich habe sie nicht noch einmal ausgesprochen. Und seitdem auch nie wieder. Was im Übrigen nicht bedeutet, dass ich nicht deutlich machen würde, wenn eine Frage überflüssig ist, denn ich halte es durchaus für wichtig, dass man erst denkt bevor man redet. Hier schließt sich der Kreis. (Weder das Schweigen noch der „Dumme Frage“-Satz hat übrigens nachhaltig geschadet oder geholfen. Sie stellt diese Fragen bis heute.)

Fehler gehören dazu – auch in der gewaltfreien Kommunikation mit Kindern

Worauf ich im Kern aber hinaus möchte ist, dass wir alle nur Menschen sind. Und wir alle machen Fehler und wir alle dürfen lernen. Und keiner von uns ist ein perfektes Instagram-Gesicht, das alle vorgefertigten „GFK“-Sätze runterleiert. Und ich halte das auch nicht für richtig, denn das ist weder authentisch noch spiegelt nicht das Leben in all seinen Facetten wider. Und das ist es worauf wir unsere Kinder vorbereiten. Sich mal im Ton oder in der Wortwahl zu vergreifen gehört dazu. Wichtig ist, dass wir unsere Fehler eingestehen und reflektieren können.

Ein Wort, das bleibt

Ich persönlich halte das Wort „Entschuldigung“ für eines der wichtigsten in der gewaltfreien Kommunikation.
Und manchmal reicht es auch einfach nichts zu sagen.

 

Butter bei die Fische – und Poesie in die Box

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